Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Idstein versammelten sich am 8.5.2026 von 18:30 Uhr bis 19:45 Uhr zu einer Kundgebung anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus im Jahr 1945.
Die Kundgebung stand unter dem Thema: Den 08.Mai 1945 als Befreiung feiern – Vielfalt leben – Für Zusammenhalt. Gegen Hass und Ausgrenzung.
Rund 300 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil und setzten gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Toleranz und ein friedliches Miteinander. Für die zahlreichen Fotos danken wir herzlich dem Fotografen Peter Geib.
Die Veranstaltung verstand sich zugleich als Gegenveranstaltung zu einem parallel stattfindenden Bürgerdialog der Alternative für Deutschland (AfD) in der Stadthalle Idstein, bei dem nach Angaben der Partei „über die Zukunft Deutschlands“ diskutiert werden sollte.
Mit der Kundgebung setzte IBB ein klares Zeichen für eine offene und demokratische Stadtgesellschaft setzen. Organisiert wurde die Kundgebung gemeinsam mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus dem Netzwerk von IBB.
Bereits am frühen Abend füllte sich der Veranstaltungsort mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Herkunft. Viele trugen Plakate und Banner mit Botschaften wie „Nie wieder ist jetzt“, „Menschenwürde verteidigen“ oder „Gemeinsam gegen Hass“.
Eingestimmt wurden die Kundgebung mit einem Song von Patrick Zavora– einem Idsteiner Künstler. In dem Song ging es um die Themen Inklusion und Diversität und gegen die, sich dem Entgegenstellen.
Rolf Byron, Vorstandsvorsitzender von IBB, eröffnete die Veranstaltung und dankte den Teil-nehmenden für die große Unterstützung. Die hohe Beteiligung mache deutlich, wie wichtig vielen Menschen in Idstein ein offenes und tolerantes Zusammenleben ist. In seiner Rede betonte er die Vision eines vielfältigen Deutschlands und eines offenen Idsteins, in dem Menschen friedlich miteinander leben. Wir brauchen eine wachsame Zivilgesellschaft „Die hin-schaut, wenn demokratische Institutionen untergraben werden. Die widerspricht, wenn Menschenverachtung als „besorgte Meinung“ getarnt wird. Wo die einen Mauern in den Köpfen erreichten, bauen wir heute Brücken auf diesem Platz“.
Thomas Meinhardt vom Netzwerkpartner Pax Christi erinnerte daran, dass der 8. Mai 1945 die Befreiung vom nationalsozialistischen Terrorregime und das Ende eines Krieges markierte, der weltweit tiefe Wunden hinterlassen habe. Er verwies auf mehr als 70 Millionen Tote, die Ermordung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden sowie auf die Ermordung von rund 250.000 Menschen mit Behinderungen, die der Nazi-Ideologie zum Opfer fielen – auch in Idstein.
„Der 8. Mai steht deshalb auch für die Hoffnung „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“! Er steht für die Überzeugung, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf; dass Versöhnung und diplomatische Konfliktlösungen möglich und überlebensnotwendig sind.“
Der 08, Mai war aber zugleich „Ausgangspunkt für die Errichtung eines demokratischen Staa-tes“ , der in „der Verabschiedung des Grundgesetztes seinen Ausdruck fand“, Er betonte dabei insbesondere die im Grundgesetz verankerten Grundrechte, die bis heute die Grundpfeiler unseres freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat sind.
Besonders hervor hob er aber auch die Verantwortung der heutigen Gesellschaft, jeder Form von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung sowie dem „Erstarken eines völkischen Nationalismus… der mit Ausgrenzung agiert und Hass gegen Minderheiten schürt“, entschieden entgegenzutreten. „Unsere freiheitliche demokratische Grundordnung ist nur zu bewahren und weiterzuentwickeln, wenn Demokratinnen und Demokraten aktiv für eine offene und solidarische Gesellschaft einstehen“.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellten Winfried Montz und Susanne Gorges-Braunwarth von Pax Christi die gemeinsam mit den Netzwerkpartnern erarbeitete Vielfaltserklärung vor.
Musikalische Beiträge – intoniert von Karl-Heinz Thebald (Gitarre) und Olaf Brünger (Gesang) – verliehen der Veranstaltung einen würdevollen Rahmen. Annette Reineke-Westphal motivierte die Teilnehmenden während der Kundgebung immer wieder zu gemeinsamen Sprechchören wie:
• wir stehen hier – gegen Ausgrenzung
• wir stehen hier – für die Vielfalt
• Kein Hass in Idstein, hier muss es bunt sein!
• Kein Hass in Idstein, Vielfalt muss sein!
• Kein Platz für Hass!
• Eins zwei drei – Vielfalt ist dabei
• Was wollen wir … Respekt und Vielfalt
• Wann wollen wir’s …. jetzt
• Nie wieder ist jetzt!
In seinem Abschlussstatement betonte Rolf Byron erneut die Bedeutung des 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung und als Fundament einer freien und offenen Gesellschaft. Die Vielfaltserklärung werde in Idstein jeden Tag gelebt und bilde ein Schutzschild gegen Spaltung und Ausgrenzung. „Dort drüben in der Stadthalle wird viel über Ausgrenzung geredet. Wir haben hier drau-ßen gezeigt: Die Mehrheit in dieser Stadt redet nicht übereinander, sondern miteinander – und steht für ein buntes Idstein.“
Zum Abschluss appellierte er an die Teilnehmenden, die Energie und die Botschaften des Abends in ihren Alltag mitzunehmen und weiterzutragen, Bekannten und Freunde davon zu erzählen.
Zugleich informierte Rolf Byron über weitere geplante Veranstaltungen von IBB in den kom-menden Monaten:
– 30.05.2026 Idstein is(s)t bunt
– 13.06.2026 Demokratiefrühstück
– 19.09.2026 – 03.10.2026 Interkulturelle Woche
– 22.10.2026 – 25.10.2026 geplante Fahrt zur Gedenkstätte Buchenwald / Weimar
Die Kundgebung endete mit den Schlachtrufen und Sprechchören wie: Wir stehen hier „für die Vielfalt“, „für den Zusammenhalt“, „gegen Hass und Hetze“, „gegen Ausgrenzung“ sowie „Idstein setzt ein Zeichen“. Zum Abschluss sangen alle Anwesenden Liedern wie „Bella ciao“ und „Die Gedanken sind frei“-
Der Abend hat deutlich gemacht, dass viele Menschen für Offenheit, Vielfalt und Zusammen-halt eintreten und sich klar gegen extremistische Tendenzen positionieren wollen.
Während des parallel stattfindenden AfD-Bürgerdialogs blieb die Stimmung bei der Gedenkveranstaltung ruhig, aber entschlossen.




